¡Vida Si – Mina No!

 

Vom 26. bis 28. November trafen sich im Regierungsbezirk Comalapa, nahe der guatemaltekischen Grenze in Chiapas, Repräsentant_innen von sozialen Bewegungen, Bauernorganisationen, kirchlichen Gemeinden, Gewerkschaften und Menschenrechtsgruppen aus 20 chiapanekischen Gemeinden. Außerdem anwesend waren Delegierte aus Kolumbien, Guatemala, Kanada und anderen Bundesstaaten Mexikos.

Das Treffen diente als Austausch über den Widerstand gegen den industriellen, extraktiven Bergbau und die Entwicklung einer gemeinsamen Strategie. In einer abschließenden Deklaration machten die Minengegner_innen auf die mit den gängigen Bergbauverfahren einhergehenden Folgen aufmerksam: Enteignung und Vertreibung, Entwaldungen, Verbrauch der lokalen Trinkwasserressourcen, Krankheiten durch die Verschmutzung von Flüssen mit Chemikalien und der Luft, Spaltung der Gemeinden in Minen -befürworter und -gegner und Morde an Aktivisten.

Der Zeitpunkt des Forums wurde zum Gedenken an den Minengegner Mariano Abarca gewählt, der am 27. November 2009 im benachbarten Regierungsbezirk Chicomuselo von Auftragsmörder_innen erschossen wurde. Dem Mord vor raus gingen Bedrohungen, unter anderem mit Waffen und körperliche Übergriffe durch Blackfire-Mitarbeiter_innen, mehrfache Versuche der Bestechung, Unterdrucksetzung durch den Bürgermeister von Chicomuselo, ein Gefängnisaufenthalt, der nach Druck von Menschrechtsorganisationen nach zehn Tagen beendet werden konnte (Das mexikanische Gesetz ermöglicht willkürliche Inhaftierungen ohne Prozess bis zu 80 Tagen, die in den meisten Fälle als Maßnahme gegen Drogenkartelle gerechtfertigt werden). Das Marianos Tod nicht der einziger Fall tödlicher Repression bei Auseinandersetzungen um Bergbauprojekte ist, wurde während der Konferenz schnell anhand vieler anderer Beispiele der Delegierten aus verschiedenen Ländern und Regionen klar. Auf vielen Transparenten auf dem Treffen war zu lesen, was Mariano kurz vor seinem Tod im Rahmen eines Interviews aussprach: „Wenn mir oder meiner Familie etwas passiert ist das Unternehmen Blackfire dafür verantwortlich“.

Das sich die Betroffenen nicht nur im Globalen Süden finden lassen, sondern auch innerhalb industrialisierter Gesellschaften Minengroßprojekte vor allem die Lebensbedingungen bereits marginalisierter Bevölkerungsgruppen verschlechtert, machten Berichte einer kanadischen Delegation deutlich. Viele der in Kanada angesiedelten Minen, sind auf „indigenem“ Territorium anzutreffen und mit Vertreibung der ansässigen Bevölkerung verbunden. Doch auch hier regt sich zunehmend Widerstand. Die Minenunternehmen versuchen als Antwort auf die zunehmenden Imageschädigung, ihre Projekte in Ländern des Globalen Südens, aber auch im eigenen Land, als sozial verträglich und im Zuge der „green economy“ als ökologisch nachhaltig darzustellen. Sog. „grüne“ oder „sozial bewusste“ Nachfolgeprojekte, die einsetzen sobald alle rentablen Rohstoffe abgebaut wurden, sollen über die katastrophalen, ökologischen und sozialen Folgen hinwegtäuschen.

Besonders die derzeit ohne absehbares Ende steigenden Goldpreise, die als stabile Anlage im Vergleich zu krisenbehafteten Geldwährungen wahrgenommen werden, machen die Extraktion auch von nur schwer zugänglichem Gold lukrativ und auch die hohe Nachfrage nach anderen Metallen und Edelmetallen auf dem Weltmarkt, ist eine hohe Zahl neuer Minenprojekte geschuldet. Während der Preis für eine Unze Gold im Jahr 2000 noch 280 Dollar betrug, beläuft sich der aktuelle Wert auf 1800 Dollar je Unze. Zwischen den Jahren 2000 und 2012 wurden allein im südlichen Bundesstaat Chiapas 164 Minenprojekte mit einer Lebensdauer zwischen sechs und 50 Jahren initiiert. Ein Großteil der Minen werden dabei von kanadischen Unternehmen geleitet. Laut der Minengegner_innen erfahren diese in fast allen Fällen bedingungslose Unterstützung der Bundesregierung und der regionalen Regierungen und können auf die steuerfreie Nutzung bereits vorhandener Infrastruktur zurück greifen. Die vom Bergbau in Anspruch genommene Fläche in Chiapas wird von den Unterzeichner_innen der Abschluss-Deklaration des Treffens auf eineinhalb Millionen Hektar geschätzt.

Während die lokale Bevölkerung meist die Folgen der negativen ökologischen Konsequenzen tragen muss, profitieren vom Bergbau in erster Linie politische Eliten und die Oberschicht, die sich durch Bestechungsgelder der Minenfirmen bereichern. Oft angewandte Strategie, die den Protest untergraben soll, besteht in der gezielten Spaltung von Gemeinden in Minenbefürworter_innen und -gegner_innen, die auch nachdem der Standort als Rohstoffquelle aufgegeben wurde, tiefe Gräben in den sozialen Strukturen der betroffenen Städte und Dörfer hinterlassen.

Sollte die Schürung interner Feindschaften auch bei der Auseinandersetzung um Minenprojekte in unmittelbarer Umgebung zu Comalapa von Erfolg gekrönt sein, am letzten Tag des Treffens war davon nichts zu spüren. In einer für die Größe der Kleinstadt beeindruckenden Demonstration, brachten mehr als 2000 Teilnehmer_innen ihre Ablehnung von Großbergbauprojekten zum Ausdruck. Viele Umstehende schlossen sich spontan der Demonstration an oder bekundeten ihre Solidarität.

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